Leo Steigmann

Wuppertal-Elberfeld, Deutschland
gestorben: 
29. Mai 2024 verschollen
Opfergruppe: 

Steigmann, Leo

geboren am 01. Februar 1906 in Barmen - Elberfeld (Wuppertal) / - / Rheinprovinz
wohnhaft in Leipzig

Emigration:
Juni 1939, Polen

Deportationsziel:
23. Juni 1939, Kolomea, Ghetto

Todesdatum/-ort:
für tot erklärt

 

http://www.stolpersteine-leipzig.de/index.php?id=220

Czarna Lea Steigmann und ihr Sohn Leo Steigmann

Czarna Lea Steigmann (geb. Hutschnecker) wurde am 15.7.1874 in Kolomea (heute Ukraine) geboren. 1898 oder 1899 heiratete sie den Kaufmann Joseph Steigmann. Das junge Ehepaar ging um die Jahrhundertwende nach Elberfeld(b. Wuppertal). Hier wurden am 22.7.1901 ihr Sohn Max und am 1.2.1906 Leo geboren. Nach Leipzig kam die Familie 1908 und wohnte seitdem in der Berliner Str. 56. Max hatte Jura studiert und wurde 1924 zum Dr. jur. promoviert. Da er bereits 1933 mit Berufsverbot belegt wurde, emigrierte er Anfang 1934 zunächst nach Südafrika und 1938 nach Palästina. In den 1950er Jahren lebte er in Haifa.

Leo absolvierte nach der Mittleren Reife eine kaufmännische Lehre und machte sich Ende der 1920er Jahre mit einem Rauchwarengeschäft selbständig. Ihr Vater starb im Juni 1938.

Am 28.10.1938 wurden Juden mit polnischem Pass aus Deutschland abgeschoben. Frau Steigmann schrieb in einem Brief vom 6.11.1938 an Sohn Max: „Du wirst bestimmt von unserem Unglück gehört haben. Ich befinde mich seit acht Tagen in Kolomea bei Fam. Bloch. Wir sind am Freitag von den Schutzleuten abgeholt worden u. mit einem Handkoffer vom Hause weggegangen. Zum Glück ist Leo zu Hause geblieben [...] u. hat [...] sich aufs Konsulat versteckt. [...] Ich bin ohne Wäsche und Geld vom Hause weggegangen. Am Freitag um 8½ Uhr früh geschah es. [...] Die Reise dauerte von Freitag früh bis Sonntagabend. Die Strapazen, die wir durchzumachen hatten, sind unbeschreiblich. 3½ Stunden gingen wir zu Fuß in der Nacht, durch Sümpfe und Wüsten, Tausende von Menschen mit kleinen Kindern und Greisen. [...] Ich stehe ganz verzweifelt da. Ich weiß keinen Ausweg [...].“

Im Zusammenhang mit einem Verkehrsdelikt wurde Leo Steigmann im Frühjahr 1939 von der Leipziger Polizei mit einem Strafbefehl bedrängt. Am 22.6.1939 floh er nach Krakau und ging kurz darauf auch nach Kolomea.

Das letzte Lebenszeichen von Frau Steigmann erreichte Max 1942 in Form eines Roten Kreuz Telegramms. Wie Czarna Steigmann (68 Jahre) und Leo Steigmann (36 Jahre) ums Leben kamen ist unbekannt.

Wenn man sich jedoch die Umstände in Kolomea nach dem Einmarsch der Wehrmacht im August 1941 anschaut, dann blieb keine Überlebenschance. Die jüdische Bevölkerung musste in ein Getto, das im Februar 1943 liquidiert wurde. Bis dahin gingen viele Transporte in das Vernichtungslager Belzec. Viele wurden in einem nahegelegenen Wald erschossen. Viele kamen durch die katastrophalen Lebensbedingungen oder durch die Übergriffe der SS und den ukrainischen Hilfskräften im Getto ums Leben.

Quellenhinweis: 

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